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Stadt + Land = Verbindung

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vor 6 Monaten

Wie ein Kommunikationsdesigner aus der Stadt das Land kennenlernte, die Verbindung suchte und Weitersäen fand.

Hallo, ich bin Matthias. Ich organisiere Weitersäen.

Ich lebe und arbeite zwar in der Stadt, liebe aber das Land und seit kurzem gibt es da eine Verbindung. 

Denn als Kommunikations-Designer helfe ich schon seit vielen Jahren Unternehmen, das was sie sagen wollen so zu gestalten, dass die Menschen es hören wollen.
Das habe ich für Mercedes Benz getan, die Telekom, die österreichische Raiffeisenkasse, das Handelsblatt etc.

Meine Stadt und Land Verbindung ergab sich aber erst im Mai 2019. Da hat mich der

Deutsche Raiffeisen Verband

gebeten, ihm bei der Definition seines Markenkerns zu helfen.
Erstmal sollte ich zum Raiffeisen-Tag kommen und dann zu einem Workshop.
Sehr gern, habe ich gesagt. Danke für Ihr Vertrauen.
Dann habe ich mich, wie bei jedem Auftrag, tief in das Thema reingebohrt. Und erst gedacht,

auweia.

Soll ich jetzt Glyphosat, Kükenselektion, Nitrat und uneinsichtige Bauern verkaufen? Ich habe immer wieder Aufträge aus moralischen Gründen abgelehnt, weil ich Werbung an sich für nichts Schlimmes halte, aber Werbung für das Falsche schon.

Dann kam der Raiffeisentag.

Und ich habe zum ersten Mal die Landwirtschaft „von innen“ kennengelernt. Klar, erstmal nur für einen Tag. Aber es gehört zu meinem Job, dass ich mir schnell ein Bild machen muss.
Und dieses Bild war eine große Überraschung.
Die Menschen, mit denen ich sprach, hatten gute Antworten auf meine offen gestellten Fragen. Und die Uneinsichtigkeit, die ich bei den Bauern vermutet hätte, schien mir nun eher auf seiten der Gesellschaft zu liegen.

Und auf der Rückfahrt

von Berlin nach Hamburg habe ich gedacht: Das gibt’s doch nicht. Die Gesellschaft hört nicht auf die Landwirtschaft, sondern auf irgendwelche NGOs und die Skandal-Industrie.
Aber die Landwirtschaft kann sich nicht erklären, weil sie keine Stimme hat.
Die haben gar kein sachliches Problem.
Die haben ein Kommunikationsproblem!

Also: Wie kriegt man Stadt und Land in Verbindung?

Erstens, indem man irgendeinen Dreh findet, um der Landwirtschaft eine gemeinsame Stimme jenseits der Verbände, der Partikular-Interessen und des unverständlichen Jargons zu geben.
So entstand die Weitersäen-Idee.

Und zweitens DARF Weitersäen nicht von jemandem gemacht werden, der zu viel von der Landwirtschaft versteht. Sonst tappt er in dieselbe Falle wie alle bisherigen Versuche.

Es muss jemand sein, der sein Leben in der Gesellschaft verbracht hat und der ihre Sprache spricht. Ihre Moden kennt und ihre Debatten, ihre Einstellungen und ihre Widersprüche. Der weiß, wie sie tickt.
Und erkannt hat, dass sie in der Frage der Landwirtschaft falsch tickt.

Und weil mir außer mir keiner einfiel, habe ich halt mal angefangen.

Und dann…

kam der DRV-Workshop und ich habe meinen Ansatz vorstellen dürfen.
Klar war ein Teil des Applauses höflich, das ist normal. Aber ganz viele kamen auch und haben mich bestätigt. Der DRV hat großzügig die Reise, das Hotel und das leckere Abendessen bezahlt, obwohl Weitersäen nichts mit seiner Positionierung zu tun hatte.
Und ich traf einen großen Mann auf einem kleinen Balkon und der Mann sagte, lassen Sie uns das zusammen machen. Nicht lang quatschen, einfach los.

Naja, und was soll ich sagen?

Jetzt haben wir die Website, und fast jeden Tag kommt jemand Neues zu unserer kleinen Weitersäen-Gang dazu. Es entsteht etwas, das eine realistische Chance hat, zu schaffen, was mir am Anfang meiner Reise in die Landwirtschaft kaum möglich erschien:

Stadt und Land endlich miteinander in Verbindung zu bringen.

Und erst vor ein paar Tagen trat eine junge Frau in den Freundeskreis von Weitersäen. Katrin. Sie hatte viele Fragen, also erklärte ich ihr, worum es geht, warum dies, warum das.

Und am Ende stellte sie mir die Frage: Warum machst du das?

Naja, und damit sind wir dann ja endgültig bei dem Punkt angekommen.

Dem Punkt von Weitersäen.